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Mit dem Song "Vaterland" möchte die Band Silly zum Nachdenken über Rüstungsexporte anregen.

© meinhardt.info

Friedensritt 2015: "Grenzen ZU für Waffen – Grenzen AUF für Flüchtlinge"

„Grenzen zu für Waffen – Grenzen auf für Flüchtlinge“ war das Motto des diesjährigen Friedensritts, der von Friedland über Witzenhausen bis nach Kassel führte. Zeitweise schlossen sich 21 ReiterInnen und zehn RadlerInnen der mehr als 100 Kilometer langen Tour an – so viele wie noch nie. Am 6. August machte der Friedensritt auf dem Kasseler Friedrichsplatz mit Straßentheater halt und beteiligte sich an der Gedenkveranstaltung des Kasseler Friedensforums anlässlich der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor 70 Jahren. Einen Tag später demonstrierten die Aktivisten gemeinsam vor Krauss-Maffei Wegmann. 

Kassel, 7. August. Schlichte Fassaden, kaum Fenster, kein Firmenschild, kein repräsentativer Haupteingang. Ein hoher Maschendrahtzaun mit bunten Werbeplakaten schirmt das scheinbar menschenleere Gelände von der viel befahrenen Durchgangsstraße am Rande der Kasseler Innenstadt ab. Kaum zu glauben, dass sich dahinter einer der Giganten der europäischen Rüstungsindustrie verbirgt: Krauss-Maffei Wegmann (KMW).

Es ist kurz nach 11 Uhr und schon sehr heiß. Zwei Mitglieder des Kasseler Friedensforums bauen auf dem Bürgersteig eine Lautsprecheranlage auf und entrollen ein Transparent: „Die Kasseler Stadtverordnetenversammlung fordert im Beschluss vom 21. Juli 2014 die Bundesregierung auf, die geplante Lieferung von Panzern nach Algerien … zu widerrufen“ ist darauf zu lesen. Wenige Tage zuvor ist bekannt geworden, dass die seit langem geplante, umstrittene Fusion des deutschen Panzerbauers mit seinem französischen Rivalen Nexter besiegelt ist. Der Demonstrationszug, den die beiden Kasseler Friedensaktivisten am Zaun erwarten, war schon seit Monaten geplant – und könnte aktueller kaum sein.

Plötzlich stockt der Verkehr auf der Fahrspur stadtauswärts. Ein kurzer Blick in Richtung Ampelkreuzung: Sie kommen! „Keine Panzer aus Kassel“ ist auf dem Transparent zu lesen, mit dem Mitglieder des Kasseler Friedensforums die Demonstration anführen – gefolgt von sechs Reiterinnen und Reitern auf ihren Pferden. Fahrradfahrer, Fußgänger: Insgesamt rund 70 Personen begleiten den Friedensritt durch Kassel, gestartet sind sie an der Grünanlage Finkenherd, dort in der Nähe haben die Reiterinnen und Reiter für den Frieden mit ihren Pferden übernachten können. Die sechs Pferde bewegen sich sicher und gelassen durch den Straßenlärm – es sind erfahrene Wanderreitponys.

Durch Witzenhausen, wo die FriedensreiterInnen an der Universität in der Steinstraße Passanten über ihr diesjähriges Motto informierten, waren sie drei Tage zuvor noch mit 21 Pferden gezogen – angesichts der Hitze haben etliche ReiterInnen ihre Pferde nun schon nach Hause oder zur letzten Station nach Frankenhausen gebracht – Tierschutz geht ebenso vor wie die Sicherheit: „In eine Großstadt wie Kassel nehmen wir nur besonders erfahrene Pferde mit“, erklärt Dana Preiß, die den Ritt in diesem Jahr federführend organisiert hat.

Als die Reiterinnen und Reiter vor dem Firmengelände von KMW absitzen, stehen die Tiere ruhig nebeneinander auf der rechten Fahrspur – unbeeindruckt von den vorbei fahrenden Autos. Ein weiteres Transparent wird entrollt: „Andere retten Leben, wir helfen töten – Krauss-Maffei Wegmann.“ Viele der Autofahrer, die den Demonstrationszug passieren, reagieren eher neugierig als verärgert und nehmen die Flugblätter, die Demonstranten ihnen durch die geöffneten Fenster reichen.

Kritik an KMW-Nexter-Fusion: Rüstungskontrollen könnten umgangen werden
Die Sorge der Friedensaktivisten: „Es ist zu befürchten, dass durch die KMW-Nexter-Fusion die deutschen Rüstungsexportkontrollen umgangen werden und noch mehr Waffen in Länder exportiert werden, die die Menschenrechte verletzen“, sagt Frank Skischus vom Kasseler Friedensforum in seiner Rede. Rüstungsexporte wären wegen der laxeren Exportrichtlinien in Frankreich leichter, so Skischus. „Die Gefahr ist riesig, dass nun über den ‚Umweg Paris‘ noch mehr deutsche Panzer in alle Welt geliefert werden.“

KMW stellt schwere Kampfpanzer und gepanzerte Fahrzeuge her, unter anderem den Kampfpanzer Leopard, der staatliche Rüstungskonzern Nexter baut das Konkurrenzmodell Leclerc. KMW würde in die Partnerschaft mit Nexter rund 3.200 Mitarbeiter, einen milliardenschweren Auftragsbestand und viel Know-How mitbringen, darunter die Technologie für den Kampfpanzer Leopard 2. Experten erwarten, dass nach einer Fusion die Entwicklung eines Nachfolgemodells unter dem Arbeitstitel Leopard 3 beginnen könnte. KMW verspricht sich von einem solchen deutsch-französischen Panzer „neue Technologie“ und „neue Märkte“.

Modell für weitere Zusammenschlüsse?
Der Zusammenschluss könnte sich zum Modell für weitere Fusionen in der EU-Rüstungsindustrie entwickeln, befürchten die Friedensaktivisten – nicht zuletzt mit Blick darauf, dass die Bundesregierung in einem Strategiepapier vom 7. Juli dieses Jahres „eine verstärkte industrielle Konsolidierung … in der nationalen und europäischen Verteidigungswirtschaft“ fordert – Zusammenschlüsse von Rüstungsunternehmen also, „unter Wahrnehmung der nationalen Interessen“. Was immer das bedeuten soll – fest steht: Ein Drittel der deutschen Rüstungsexporte geht in Staaten, die offiziell Entwicklungshilfe beziehen. „Es ist eine deutliche Abkehr von dem Grundsatz festzustellen, deutsche Waffen nicht in Spannungsgebiete zu liefern“, so Skischus.

Friedensreiter fordern Verbot des Exportes von Waffen und Rüstungsgütern
Nach gut 20 Minuten zieht der Demonstrationszug weiter. Durch die Fußgängerzone führen die Reiterinnen und Reiter ihre Pferde – bis zum Rathaus, wo Frank Skischus erneut eine kurze Rede hält und die Demonstration beendet. Die FriedensreiterInnen sitzen auf und reiten, begleitet von den RadlerInnen und mit Polizeischutz über die Wilhelmshöher Allee bis in den Habichtswald.

Das bleibt nicht unbemerkt – auch wenn die Lokalzeitung, die die Aktion immerhin angekündigt hat, später nicht mehr über den Demonstrationszug berichten wird: Die FriedensreiterInnen verteilen noch viele Flugblätter an – bisweilen auch sehr aufgeschlossene – Passanten: „70 Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki mahnen wir eine Politik der Abrüstung und Entspannung an“, heißt es in den Flyern. „Es gilt, alle Atomwaffen weltweit abzuschaffen, Uranwaffen zu ächten, den Ausstieg aus der Atomenergie konsequent umzusetzen und eine Politik für weltweiten sozialen Ausgleich und Frieden zu schaffen“.

Über die Freude an den Pferden mit den Menschen ins Gespräch kommen
„Über die Freude an den Pferden kommen wir mit den Menschen ins Gespräch“, erklärt Angela Kemper, Sprecherin der FriedensreiterInnen, die sich inhaltlich der „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“ anschließen: „Rüstungsexporte tragen dazu bei, den Frieden zu gefährden – und sie produzieren noch mehr Flüchtlinge. Denn mit den Waffen aus Deutschland werden bestehende Konflikte angefeuert und immer mehr Gewalt provoziert. Viele Menschen versuchen, davor zu fliehen – ihnen, den Opfern dieser skandalösen Politik fühlen wir uns verbunden“, so Kemper.

Diese Solidarität zu zeigen, war Ziel der Friedensreiter-Innen an ihrer ersten Station: Sie besuchten Friedland, wo zurzeit 2.100 Flüchtlinge im überfüllten Lager leben, fast alle den Kriegsschauplätzen in Syrien, Irak und Afrika entflohen. Ihnen, vor allem den Kindern, machten die ReiterInnen am 1. August eine große Freude: Die Kinder durften auf fünf der Ponys reiten, Pferde streicheln sich ganz mutig mit den Hunden der Reiter fotografieren lassen und die Kunststücke einer Clownin und ihrer Vierbeiner bestaunen. Mehrere hundert Flüchtlinge nutzten das Angebot für ihre Kinder.

Der Friedensritt

Politisches Engagement und der Spaß am Wanderreiten und Radeln verbinden sich beim Friedensritt. Seit 1984 reiten und radeln Friedensaktivisten aus ganz Deutschland jeden Sommer für etwa 10 Tage durchs Land und bevölkern Städte und Dörfer mit Aktionen. Mit guten Argumenten, Musik und Straßentheater unterstützen sie örtliche Initiativen gegen Militäreinrichtungen, Waffenexporte, Atomanlagen – und für den Frieden. „Wir möchten Mut machen, mehr Verantwortung für das Zusammenleben auf dieser Erde zu übernehmen – über weltanschauliche und parteipolitische Grenzen hinweg, im Einklang mit der Natur“, heißt es im Flugblatt für 2015.

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