In der Nacht vom 26. auf den 27. September 2014 verschwanden in der mexikanischen Stadt Iguala im Bundesstaat Guerrero 43 Studenten des Lehrerseminars von Ayotzinapa gewaltsam, nachdem sie von örtlichen Polizeikräften angegriffen worden waren. Diese Gewalttat gilt als eines der schwersten Menschenrechtsverbrechen der jüngsten Geschichte Mexikos und wurde von der staatlich einberufenen Wahrheitskommission 2022 aufgrund der Verwicklung staatlicher Akteure als "Staatsverbrechen" eingestuft.
Zum Jahrestag erinnern Organisationen aus Mexiko und Deutschland, darunter auch Aktion Aufschrei, daran, dass bei dem Verbrechen nachweislich auch illegal exportierte G36-Sturmgewehre des baden-württembergischen Rüstungsunternehmens Heckler & Koch zum Einsatz kamen.
Für die illegalen Lieferungen verurteilte das Landgericht Stuttgart 2019 zwei Mitarbeiter*innen des Unternehmens und ordnete gegen Heckler & Koch die Einziehung der Verkaufserlöse an. Im Mai 2026 zahlte das Unternehmen die seit 2021 rechtskräftige Summe von rund 3,7 Millionen Euro an die Landeskasse Baden-Württemberg.
Die Opfer des illegalen Waffenhandels nicht länger ignorieren
In einem offenen Brief an Ministerpräsident Cem Özdemir weisen die Organisationen auf eine große Leerstelle im bisherigen juristischen Aufarbeitungsprozess der illegalen Exporte hin: Die Betroffenen der verantwortungslosen Exportpraxis wurden im gesamten deutschen Verfahren zu keinem Zeitpunkt berücksichtigt. Dabei leiden Überlebende und Angehörige bis heute unter den schweren Folgen des Verbrechens.
Die Organisationen fordern die Landesregierung daher auf, rechtliche und politische Möglichkeiten zu prüfen, wie die Gelder zugunsten der Familien der Opfer und der betroffenen Gemeinden in Guerrero eingesetzt werden können. Konkret sollen Projekte gefördert werden, die psychosoziale und gesundheitliche Unterstützung leisten, Menschenrechtsverletzungen dokumentieren und aufklären sowie Garantien schaffen, die eine Wiederholung solcher Verbrechen verhindern.
Zu den Unterzeichnern des offenen Briefes zählen die mexikanischen Menschenrechtszentren Centro Prodh und Tlachinollan, die Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko, das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR), Ohne Rüstung Leben, Pax Christi/Deutsche Sektion und Pax Christi Kommission Rüstungsexport, das RüstungsInformationsBüro (RIB), die Informationsstelle Militarisierung (IMI), die Kampagne Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!, die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (Bundesverband), der Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre und als Einzelperson RA Holger Rothbauer.
- Offener Brief zu Verbrechen von Ayotzinapa & illegal exportierten deutschen Waffen: Land Baden-Württemberg soll Mechanismen der Wiedergutmachung fördern, kritischeaktionaere.de, 22.09.2026
- Pressemitteilung: Ayotzinapa & illegale Waffenexporte: Land Baden-Württemberg soll Mechanismen der Wiedergutmachung fördern, mexiko-koordination.de, 23.09.2026
