31.08.2026 - Aktion Aufschrei: Volkswagen und das VW-Werk Osnabrück müssen zivil bleiben!
VW-Werk in Osnabrück muss zivil bleiben!
Aktion Aufschrei – Stopp den Waffenhandel! weist mit der Presseerklärung unten auf das Problem vieler Konversionen der letzten Zeit hin: Der Weg in die Rüstungsproduktion, wie man ihn heute vielen Mittelständlern, Autozulieferern und Start-ups nahelegt, ist der falsche Weg. In die Rüstungsproduktion einzusteigen wird nur für wenige dieser Firmen auf Dauer funktionieren, denn dies führt weder in den dauerhaften Erhalt von Arbeitsplätzen, noch kann ein Rüstungsengagement die Ausfälle an anderer Stelle kompensieren – hier ist es fahrlässig und verlogen von der Politik, Rüstung als „Wirtschaftsmotor“ zu kennzeichnen. Zudem ist auch nur mittelfristig der Einstieg in die Rüstungsproduktion ohne den Einstieg in den Rüstungsexport nicht zu machen: Sich nun der Rüstung zuzuwenden heißt in Kauf zu nehmen, dass Deutschland, dass die eigene Firma zukünftig Konflikte und im Zweifel auch Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern erst möglich macht.
Hinter dem „strategischen Rüstungsexport“, wie ihn die Bundesregierung gern hätte, verbirgt sich die Idee, zukünftig frei von moralischen und rationalen Kriterien und allein unter dem Gesichtspunkt der politischen Opportunität zu exportieren. D. h. geopolitische und wirtschaftliche Erwägungen haben Vorrang vor klaren Kriterien, die Rüstungsexporte an Staaten unterbinden, die Menschenrechtsverstöße begehen, sich in kriegerischen Auseinandersetzungen befinden oder bekanntermaßen Waffen in andere bewaffnete Konflikte transferieren.
Sowohl Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel! als auch die Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung, die den Rüstungsexportkontrollbericht herausgibt, haben auf problematische Empfängerstaaten hingewiesen.
Die Konversion des VW-Werks in Osnabrück wie auch die Umwandlung so manch anderer ziviler Produktionsstätten sehen wir deshalb mit Sorge! Die Angst um den Erhalt von Arbeitsplätzen ist mehr als verständlich, das sollte uns aber nicht blind machen für die Folgen solcher Entscheidungen. Wir unterstützen die lokalen Proteste, die dafür plädieren, zivile Optionen zu bevorzugen!

Mitteilung für die Medien
31. August 2026
Rendite mithilfe von Rüstung und Rüstungsexporten ist kein zukunftsfähiges Konzept. Volkswagen und das VW-Werk Osnabrück müssen zivil bleiben!
Bei VW spitzt sich die Lage zu. Mit dem drohenden Abbau von Überkapazitäten überlegt der Konzern eine Rückkehr in das Rüstungsgeschäft, um „Werksschließungen“ zu vermeiden – Konzernchef Blume nennt dies „intelligente Methoden“. Um der Rendite willen sollen nun statt zivilen Nutzfahrzeuge Komponenten für Rüstungsgüter und Kampfsysteme vom Band laufen. Dass da-bei ein Geschäftspartner in Erwägung gezogen wird, der tief in den Sumpf des internationalen Waffenhandels involviert ist, lässt leider nur den Schluss zu: Hier geht es nicht um dem Erhalt von Arbeitsplätzen, sondern um den Erhalt von Rendite um jeden Preis, sei es durch todbringende Produkte.
Der zukünftige Partner Rafael Advanced Defense Systems, der in Deutschland bereits mit der Dynamit Nobel Defence in Würgendorf Panzerabwehrwaffen baut und exportiert, ist einer der Hauptlieferanten des israelischen Militärs – nicht nur für Verteidigungsanlagen. Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel! hat wiederholt Kritik an den Rüstungsexporten in den Nahen Osten und nach Israel geübt. Wir haben auf die Gefahr hingewiesen, dass Waffen und Rüstungsgüter dort nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zur Unterdrückung und zu Menschenrechtsverletzungen im Gaza-Streifen und der West-Bank eingesetzt werden. „Es sollte deutlich gemacht werden, dass auch Kooperationen mit maßgeblichen Akteuren der israelischen Rüstungsindustrie eine aktive Unterstützung der gewaltsamen Konfliktaustragung im Nahen Osten sind – hier liegt bei allen Partnern eine hohe moralische Verantwortung“, betont Jürgen Grässlin, Sprecher von Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel! und Bundessprecher der DFG-VK.
Der VW-Konzern kann sich aber auch selbst vorstellen, wieder in größerem Umfang für den militärischen Markt zu entwickeln und zu bauen. Dem Vernehmen nach arbeitet man schon länger an der Entwicklung eines Military-Pick-Up und eines Transporters. Beides sind Fahrzeugtypen für die hochmobile moderne Kriegsführung. Andreas Seifert, Koordinator der Aktion Aufschrei mahnt: „Die Friedensstadt Osnabrück, die für den Westfälischen Frieden von 1648 und damit für die friedliche Aushandlung von Konflikten steht, wird damit zum Ort der Rüstung und zu einem Ausgangspunkt von Rüstungsexporten. Geht es hier um Frieden oder um Rendite um jeden Preis?“ Vor Ort gibt es Widerstand gegen diese Pläne. Und es gibt zivile Alternativen dazu. „Der Weg in die Rüstung ist der falsche Weg und wird weder dem symbolischen Ort, noch der Verantwortung und Geschichte des VW-Konzern gerecht“, sagt Seifert.
Die Forderungen von Aktion Aufschrei lauten: Keine Rüstung und kein Rüstungsexport in Osnabrück! Friedliche und zukunftsfähige zivile Alternativen für das Werk finden!
Kontakt für die Medien:
- Jürgen Grässlin, Sprecher der „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“ und Bundessprecher der DFG-VK, M: 0170-6113759, graesslin@dfg-vk.de
- Andreas Seifert, Koordinator der „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“, M: 0176-99067209, a.seifert@aufschrei-waffenhandel.de
Trägerorganisationen der Kampagne: Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden e. V. (AGDF) • aktion hoffnung Rottenburg-Stuttgart e. V. • Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR • Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) • Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) • Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges e. V. (IPPNW) Deutschland • NaturFreunde Deutschlands • Netzwerk Friedenskooperative • Internationale katholische Friedensbewegung pax christi – Deutsche Sektion • JuristInnen gegen atomare, biologische und chemische Waffen (I-ALANA) Deutsche Sektion • Ohne Rüstung Leben (ORL) • Deutsche Franziskanerprovinz • RüstungsInformationsBüro (RIB e. V.) • terre des hommes – Hilfe für Kinder in Not • Werkstatt für Gewaltfreie Aktion, Baden (WfGA)
Mehr als hundert weitere Organisationen und Friedensinitiativen arbeiten lokal im Aktionsbündnis mit.